21. Januar 2021

Zahlungen nach Insolvenzeintritt erlaubt!

Im Jahr 2010 hat der Bundesgerichtshof in zwei Beschlüssen entschieden, dass die für Kapitalgesellschaften und die Genossenschaft in den § 64 S. 1 GmbHG, § 93 Abs. 3 Nr. 6 AktG iVm § 92 Abs. 2 S. 1 AktG und § 34 Abs. 3 Nr. 4 GenG iVm § 99 S. 1 GenG (a.F.) vorgesehene Haftung für masseschmälernde Zahlungen auf den Verein keine analoge Anwendung findet (BGH NZG 2010, 625; NZG 2010, 711). Dem zugrunde lag die Überlegung, dass es mit Blick auf die normtypische Ehrenamtlichkeit der Vereinsvorstände unangemessen wäre, diese einer derart scharfen Haftung auszusetzen (K. Schmidt NZG 2015, 129: „haftungsrechtlicher Kampfhund“). Davon zu unterscheiden war jedoch die Frage, ob das der Haftung zugrundeliegende Zahlungsverbot für die Vorstandsmitglieder des Vereins gilt. Da auch die Gläubiger von Vereinen auf das Vereinsvermögen angewiesen sind, sprach unter systematischen Gesichtspunkten viel dafür, die Frage zu bejahen (ausführlich Leuschner ZHR 175 (2011), 787, 800 ff.). Verbotswidrige Zahlungen hätten hiernach zu einer Haftung aus § 823 Abs. 2 BGB führen können. Diese ist im Vergleich zu der Haftung aufgrund der §§ 64 S. 1 GmbHG usw. deutlich „sanfter“, da sie nicht eine uneingeschränkte Pflicht zur Erstattung sämtlicher Zahlungen erfasst, sondern die Ersatzpflicht an den Eintritt eines Gesamtgläubigerschadens knüpft.

 

Aufgrund der am 1.1.2021 in Kraft getretenen Änderungen durch das Gesetz zur Fortentwicklung des Sanierungs- und Insolvenzrechts (SanInsFoG) ist die Rechtslage nunmehr aber eine andere. Die spezialgesetzlichen Verbots- und Haftungstatbestände des Kapitalgesellschafts- und Genossenschaftsrechts wurden gestrichen und rechtsformunabhängig in § 15b InsO zusammengeführt. Dabei wird der Adressatenkreis des in § 15b Abs. 1 S. 1 InsO enthaltenen Zahlungsverbots unter Hinweis auf die „in § 15a Absatz 1 Satz 1 genannten Mitglieder des Vertretungsorgans und Abwickler einer juristischen Person“ bestimmt. Ausweislich der Gesetzesbegründung (BT-Drucks. 19/24181, S. 194) soll dadurch der Anwendungsbereich des Zahlungsverbots auf diejenigen Rechtsformen beschränkt werden, für die auch die Insolvenzantragspflicht gemäß § 15 Abs. 1 InsO gilt. Der Verein ist hiervon gemäß § 15a Abs. 7 InsO ausgenommen. Angesichts dieser (mehr oder minder) bewussten Entscheidung des Gesetzgebers muss man davon ausgehen, dass den Organmitgliedern von Vereinen masseschmälernde Zahlungen nach Insolvenzeintritt erlaubt sind. Eine auf § 823 Abs. 2 BGB gestützte Haftung wegen solcher Zahlungen scheidet folglich aus (unberührt bleibt eine mögliche Haftung wegen Insolvenzverschleppung).

 

Rechtspolitisch ist diese Lösung Zweifeln ausgesetzt. Ungeachtet aller Sympathie für die Privilegierung der überwiegend ehrenamtlich tätigen Vereinsvorstände erscheint die Zulässigkeit masseschmälernder Zahlungen mit den Interessen der auf das Vereinsvermögen angewiesen Gläubiger kaum vereinbar. Sie bedeutet nicht nur, dass zukünftig Vereinsvorstände einzelne Gläubiger in der Phase zwischen Insolvenzeintritt und Eröffnung des Insolvenzverfahrens beliebig bevorzugen können (die Regelungen über die Insolvenzanfechtung kompensieren das nur partiell). Darüber hinaus ist es den Vereinsvorständen auch möglich, den Vereinszweck in diesem Zeitraum unverändert fortzuführen. Gerade im Fall von Vereinen, die zur Zweckverfolgung einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten, erscheint dies sehr problematisch.

 

18. Dezember 2020

Corona und Vereinsrecht: Änderungen und Ergänzungen von § 5 COVMG

Gestern hat der Bundestag Änderungen und Ergänzungen des § 5 COVMG (Gesetz über Maßnahmen im Gesellschaftsrecht u.a. zur Bekämpfung der COVID19-Pandemie) beschlossen (zum Beschlusstext, zur Begründung). Gemäß Art. 14 Abs. 3 des Änderungsgesetzes treten sie zwei Monate nach Verkündigung des Gesetzes in Kraft. Unterstellt, dass die Verkündung im Bundesgesetzblatt noch in diesem Monat erfolgt, gelten die Neuregelungen somit spätestens ab 1. März 2021. (Aktualisierung vom 31.12.2020: Das Gesetz wurde am 30.12.2020 im Bundesgesetzblatt verkündet und tritt demnach am 28.2.2021 in Kraft).

 

1. Änderung von § 5 Abs. 2 COVMG

Der neue § 5 Abs. 2 COVMG lautet wie folgt:

 

(2) Abweichend von § 32 Absatz 1 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs kann der Vorstand auch ohne Ermächtigungen in der Satzung vorsehen, dass Vereinsmitglieder

1. an der Mitgliederversammlung ohne Anwesenheit am Versammlungsort teilnehmen, und Mitgliederrechte im Wege der elektronischen Kommunikation ausüben können oder müssen,

2. ohne Teilnahme an der Mitgliederversammlung ihre Stimmen vor der Durchführung der Mitgliederversammlung schriftlich abgeben können.

 

Durch die etwas eigentümliche Neuformulierung ("oder müssen") soll klargestellt werden, dass auch eine rein virtuelle Mitgliederversammlung möglich ist, d.h. Mitglieder ausschließlich auf die Möglichkeit der elektronischen Kommunikation verwiesen werden können. Offenbar gab es Stimmen, die den bisherigen Wortlaut dahingehend interpretiert haben, dass nur eine sog. hybride Versammlung möglich ist, d.h. neben der virtuellen Teilnahme stets auch die Möglichkeit einer physischen Teilnahme eröffnet werden muss.

 

2. Einfügung von § 5 Abs. 2a COVMG

Neu eingefügt wird der nachfolgende § 5 Abs. 2a COVMG:

 

(2a) Abweichend von § 36 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist der Vorstand nicht verpflichtet, die in der Satzung vorgesehene ordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen, solange die Mitglieder sich nicht an einem Ort versammeln dürfen und die Durchführung der Mitgliedersammlung im Wege der elektronischen Kommunikation für den Verein oder die Vereinsmitglieder nicht zumutbar ist.

 

Viele Vereine, die aufgrund ihrer Satzung zur Durchführung einer turnusmäßigen Mitgliederversammlung verpflichtet gewesen wären, diese pandemiebedingt aber nicht in Präsenz durchführen konnten, haben sich davor gescheut, eine virtuelle Versammlung einzuberufen. Ob dies angesichts der vom Gesetzgeber geschaffenen Möglichkeit, eine virtuelle Versammlung auch ohne Satzungsgrundlage durchzuführen, rechtens ist, war bisher zumindest zweifelhaft (siehe auch Eintrag auf dieser Seite vom 1. Mai 2020). Die Änderung legitimiert ein solches Vorgehen ausdrücklich, sofern eine virtuelle Versammlung für den Verein oder seine Mitglieder "unzumutbar" ist. In den Materialien wird in diesem Zusammenhang auf die für die Durchführung einer virtuellen Versammlung unter Umständen unzureichenden Ressourcen des Vereins sowie die Altersstruktur der Mitglieder verwiesen.

 

3. Einfügung von § 5 Abs. 3a COVMG

Neu eingefügt wird auch der folgende § 5 Abs. 3a COVMG:

 

(3a) Die Absätze 2 und 3 gelten auch für den Vorstand von Vereinen und Stiftungen sowie für andere Vereins- und Stiftungsorgane.

 

Durch diese Regelung wird festgelegt, dass die für die Mitgliederversammlung geschaffenen Erleichterungen (virtuelle Versammlung, schriftliche Stimmabgabe im Vorfeld der Versammlung, Beschlussfassung ohne Versammlung) auch für andere Organe von Vereinen und Stiftungen, d.h. insbesondere den Vorstand gelten. Ob dies schon de lege lata der Fall ist, ist streitig (siehe Eintrag vom 23. März 2020 auf dieser Seite einerseits sowie Segna npoR 2020, 148, 152 f. andererseits).

 

25. November 2020

Zur richtigen Bestimmung und Ladung von Delegierten – echte oder unechte Delegiertenversammlung? – Zum Beschluss des OLG Celle vom 2.9.2019 - 20W17/19

Ein (nicht veröffentlichter) Beschluss des OLG Celle vom 2.9.2019 (20W17/19) beschäftigt nach wie vor viele Verbände. In ihm weist das Gericht die Beschwerde eines Kreisschützenverbandes gegen die Zurückweisung eines Antrags auf Eintragung einer Satzungsänderung zurück. Das Registergericht hatte die Zurückweisung damit begründet, der dem Antrag zu Grunde liegende Beschluss der Delegiertenversammlung sei unwirksam, weil Teile der Delegierten nicht ordnungsgemäß bestimmt und auch nicht innerhalb der in der Satzung vorgesehenen Frist geladen worden seien. Tatsächlich fand zumindest in einigen der Untergliederungen bzw. Mitgliedsvereinen keine Wahl der Delegierten statt, sondern diese entsandten jeweils ihren 1. oder 2. Vorsitzenden. Ferner erfolgte die Ladung zur Delegiertenversammlung offenbar nicht gegenüber den Delegierten selbst, sondern gegenüber den zuständigen Untergliederungen bzw. Mitgliedsvereinen. Das OLG Celle bestätigte die Auffassung des Registergerichts, wonach die von der Delegiertenversammlung gefassten Beschlüsse als nichtig zu qualifizieren sind. Die Delegierten seien vorliegend nicht ordnungsgemäß bestimmt gewesen, weil die Zuständigkeit für ihre Auswahl grundsätzlich bei der Mitgliederversammlung liege. Auch die Ladung sei mangelhaft gewesen, da es nicht auf den Zugang bei den „Mitgliedsvereinen“, sondern bei den Delegierten ankomme.

 

Inwieweit diese Erwägungen zutreffen, lässt sich ohne genau Kenntnis der Organisationsstruktur des betroffenen Verbandes nicht mit letzter Sicherheit beurteilen. Der Sache nach betrifft der Beschluss die nicht ganz einfache Unterscheidung zwischen der „echten“ und der „unechten“ Delegiertenversammlung (instruktiv BeckOGK/Notz BGB § 32 Rn. 262 ff.). Die „unechte“ Delegiertenversammlung ist in Wahrheit keine Delegiertenversammlung, sondern wird lediglich als solche bezeichnet. Man trifft sie vor allem in Vereinsverbänden an, welche dadurch gekennzeichnet sind, dass die für die Entsendung von „Delegierten“ zuständigen Vereine ihrerseits Mitglieder im Vereinsverband sind. Das Stimmrecht in der „Delegiertenversammlung“ steht somit in Wahrheit nicht irgendwelchen Delegierten, sondern den Mitgliedsvereinen selbst zu. Diese müssen folglich keine Delegierten wählen, sondern lediglich einen Stimmrechtsvertreter (gesetzlicher Vertreter oder Bevollmächtigter) in die „Delegiertenversammlung“ entsenden. Der Mitgliedsverein und nicht der Stimmrechtsvertreter ist in der Konsequenz richtiger Adressat der Einladung zur „Delegiertenversammlung“.

 

Bei der dem Beschluss des OLG Celle zugrunde liegenden Delegiertenversammlung handelte es sich aber wohl um eine „echte“ Delegiertenversammlung. Darauf deutet insbesondere hin, dass der betroffene Kreisschützenverband offenbar als Gesamtverein organisiert ist, d.h. die jeweiligen Untergliederungen ungeachtet ihrer Bezeichnung als „Mitgliedsvereine“ gar nicht Mitglieder des Verbandes sind. Folglich steht das Stimmrecht auch nicht ihnen, sondern ausschließlich den zu bestimmenden Delegierten zu. Für die Wahl der Delegierten sind in einer solchen Konstellation grundsätzlich sämtliche Mitglieder des Gesamtvereins zuständig, d.h. die Mitglieder der Untergliederungen, welche aufgrund der insoweit typischen gestuften Mehrfachmitgliedschaft zugleich Mitglieder im Hauptverein sind. Zulässig und üblich sind allerdings auch Regelungen, wonach nicht sämtliche Mitglieder alle Delegierten wählen, sondern sich die in den Untergliederung zusammengefassten Mitglieder darauf beschränken, einen gewissen Teil der Delegierten zu bestimmen (so offenbar auch im Fall des streitgegenständlichen Kreisschützenverbandes). Es bleibt aber auch in dieser Konstellation dabei, dass das es sich bei Delegierten um „echte“ Delegierte und keine bloßen Stimmrechtsvertreter der Untergliederung handelt. Folglich müssen sie in den Untergliederungen auch tatsächlich gewählt und anschließend persönlich zur Delegiertenversammlung geladen werden.

 

Für Verbände gilt es hiernach sorgfältig zu prüfen, ob es sich bei ihrer Delegiertenversammlung um eine "echte" oder eine "unechte" Delegiertenversammlung handelt. In den meisten Fällen dürfte Ersteres der Fall sein. In der Konsequenz bedeutet dies, dass dafür Sorge getragen werden muss, dass die Delegierten in den Untergliederungen von Mitgliedern gewählt und nicht von Funktionären bestimmt werden. Zudem ist sicherzustellen, dass die Ergebnisse der Delegiertenwahlen einschließlich der erforderlichen Daten dem Hauptverein rechtzeitig übermittelt werden, damit dieser die Delegierten ordnungsgemäß laden kann. In vielen Fällen wird es zweckmäßig sein, das entsprechende Prozedere in den jeweiligen Satzungen festzulegen bzw. zu konkretisieren.

 

16. Oktober 2020

Verordnung zur Verlängerung von Maßnahmen im Gesellschafts-, Genossenschafts-, Vereins- und Stiftungsrecht zur Bekämpfung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie beschlossen

Die Bundesregierung hat von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, per Rechtsverordnung die Geltung des Gesetzes über Maßnahmen im Gesellschafts-, Genossenschafts-, Vereins-, Stiftungs und Wohnungseigentumsrecht zur Bekämpfung der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie bis zum 31. Dezember 2021 zu verlängert (zur Meldung der Bundesregierung). Für Vereine besteht hiernach u.a. die Möglichkeit fort, unabhängig von einer entsprechenden Satzungsgrundlage eine virtuelle Mitgliederversammlung abzuhalten (siehe im Einzelnen Meldungen unten vom 23. und  27. März 2020).

 

1. Mai 2020

Aussetzung der Pflicht zur Einberufung einer Mitgliederversammlung während der COVID-19-Pandemie?

Sieht die Satzung zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines bestimmten Zeitraumes die Abhaltung einer Mitgliederversammlung vor, begründet dies gemäß § 36, 1. Alt. BGB eine Einberufungspflicht des Vorstandes. Dass während der COVID-19-Pandemie die Abhaltung von Präsenzversammlungen vielfach nicht möglich ist, rechtfertigt als solches nicht, die Einberufung aufzuschieben oder Mitgliederversammlungen ganz entfallen zu lassen. Schließlich hat der Gesetzgeber in § 5 Abs. 2 Covid19-G die Möglichkeit geschaffen, virtuelle Mitgliederversammlungen durchzuführen.

 

Ist die Durchführung einer virtuellen Mitgliederversammlung indes nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich, erscheint in Ausnahmefällen eine Aussetzung der Einberufungspflicht denkbar. Stützen lässt sich dies auf die entsprechende Anwendung der Grundsätze über die Störung der Geschäftsgrundlage (§ 313). Die in Folge der COVID-19-Pandemie eingetretenen Schwierigkeiten bei der Abhaltung von Präsenzversammlungen stellen eine schwerwiegende Änderung von Umständen dar, die die Beteiligten bei der Fassung entsprechender Satzungsklauseln nicht vorhergesehen haben. Die Möglichkeit, virtuelle Mitgliederversammlungen durchzuführen, dürfte nicht in allen Fällen geeignet sein, das zu kompensieren. Eine entsprechende Vorstellung liegt auch § 5 Abs. 3 Covid19-G zugrunde, der die Beschlussfassung im schriftlichen Verfahren und somit unabhängig von einer Mitgliederversammlung erleichtert. Ausweislich der Äußerung des mit der Formulierung des Gesetzes betrauten Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz wurde die Regelung mit Blick auf „kleine Vereine [getroffen], die nicht über die technischen Mittel oder das technische Know-how verfügen, um Mitgliederversammlungen im Internet durchzuführen" (siehe "Fragen und Antworten zur Handlungsfähigkeit für Vereine und Stiftungen während der Corona-Krise" vom 23. März 2020, Frage 5). Besteht hiernach für die Vereine die Möglichkeit, die meisten  Entscheidungen ohne Mitgliederversammlung zu treffen, erschiene es nicht gerechtfertigt, aufgrund einer die aktuellen Umstände nicht antizipierenden Satzungsklausel eine Verpflichtung zur Abhaltung einer Mitgliederversammlung anzunehmen, die unabhängig vom tatsächlichen Bedarf eingreift.

 

Die Aussetzung der Einberufungspflicht wird allerdings nur auf Grundlage einer umfassenden Abwägung und bei kumulativem Vorliegen der nachfolgenden Voraussetzungen in Betracht kommen: (1) Eine Präsenzversammlung ist wegen der COVID-19-Pandemie unzulässig bzw. unter Berücksichtigung der Mitgliederstruktur mit zu hohen Risiken bzw. unverhältnismäßigem Aufwand verbunden, (2) die Durchführung einer virtuellen Mitgliederversammlung ist unter Berücksichtigung der Mitgliederstruktur mit unverhältnismäßigem Aufwand verbunden, (3) es stehen keine unaufschiebbaren  Entscheidungen an, die nicht im Umlaufverfahren getroffen werden können, (4) die Amtszeit aller Vorstandsmitglieder besteht unabhängig von § 5 Abs. 1 Covid19-G oder einer vergleichbaren Satzungsbestimmung bis zur nächsten Mitgliederversammlung fort bzw. wird im Umlaufverfahren verlängert und (5) der Vorstand sorgt anderweitig für die hinreichende Information der Mitglieder.

 

 

14. April 2020

BMF-Schreiben vom 9. April 2020

Das Ministerium der Finanzen hat mit Datum vom 9. April 2020 unter der Überschrift „Steuerliche Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene“ eine Reihe von für Vereine relevante Verwaltungsregelungen veröffentlicht.

 

 

27. März 2020

Corona und Vereinsrecht (Teil 3)

Das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht ist mit der heutigen Zustimmung des Bundesrates in Kraft getreten. Für Vereine gelten hiernach die in Art. 2 § 5 vorgesehenen Erleichterungen, die insbesondere die Möglichkeit einer virtuellen Beschlussfassung umfassen (siehe dazu den Eintrag "Corona und Vereinsrecht (Teil 2)" vom 23. März 2020).  Aufgrund der besonderen Gesetzestechnik handelt es sich bei Art. 2 § 5 um lex specialis, das Geltungsvorrang vor den Regelungen des BGB hat (insbesondere § 32 BGB).

 

Für Vereine dürfte damit ein rechtsicherer Rahmen für den Umgang mit der Corona-Krise geschaffen worden sein. Sollte sich in der vereins- oder auch stiftungsrechtliche Praxis gleichwohl weiterer Änderungsbedarf herausstellen, können entsprechende Anregungen gerne unter info@vereinsrechtstag.de platziert werden, um diese anschließend an die politischen Entscheidungsträger weiterleiten zu können. Auf den ersten Blick nicht ganz einsichtig ist etwa, weshalb § 5 Abs. 2 Nr. 2 die Schriftform verlangt, während Abs. 3 die Textform genügen lässt. Ebenso wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Erleichterungen des § 5 Abs. 2 und 3 nicht nur für die Beschlussfassung der Mitgliederversammlung, sondern auch die des mehrgliedrigen Vereinsvorstandes sowie die entsprechenden Organe einer Stiftung gelten würden.

 

 

23. März 2020

Corona und Vereinsrecht (Teil 2)

Die Bundesregierung hat eine "Formulierungshilfe" eines Gesetzes zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Zivil-, Insolvenz- und Strafverfahrensrecht vorgelegt, welches voraussichtlich diese Woche noch verabschiedet wird. Art. 2 § 5 des Gesetzes sieht auch Änderungen des Vereins- bzw. Stiftungsrechts vor:

 

§ 5 Vereine und Stiftungen

(1) Ein Vorstandsmitglied eines Vereins oder einer Stiftung bleibt auch nach Ablauf seiner Amtszeit bis zu seiner Abberufung oder bis zur Bestellung seines Nachfolgers im Amt.

(2) Abweichend von § 32 Absatz 1 Satz 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs kann der Vorstand auch ohne Ermächtigung in der Satzung Vereinsmitgliedern ermöglichen,

1. an der Mitgliederversammlung ohne Anwesenheit am Versammlungsort teilzunehmen und Mitgliederrechte im Wege der elektronischen Kommunikation auszuüben oder

2. ohne Teilnahme an der Mitgliederversammlung ihre Stimmen vor der Durchführung der Mitgliederversammlung schriftlich abzugeben.

 

(3) Abweichend von § 32 Absatz 2 des Bürgerlichen Gesetzbuchs ist ein Beschluss ohne Versammlung der Mitglieder gültig, wenn alle Mitglieder beteiligt wurden, bis zu dem vom Verein gesetzten Termin mindestens die Hälfte der Mitglieder ihre Stimmen in Textform abgegeben haben und der Beschluss mit der erforderlichen Mehrheit gefasst wurde.

 

Die Gesetzesänderung, deren Wirkung zunächst bis zum 31.12.2021 beschränkt sein soll, bewirkt Folgendes:

 

1. Automatische Verlängerung der Amtszeit

Abs. 1 bewirkt, dass Vorstandsmitglieder auch nach Ablauf ihrer Amtszeit zunächst im Amt bleiben, d.h. eine Wieder- oder Neubestellung nicht zwingend erforderlich ist, um die Handlungsfähigkeit des Vereins (bzw. der Stiftung) aufrecht zu erhalten.

 

2. Beschlussfassung aufgrund virtueller Versammlung (Modifikation von § 32 Abs. 1 BGB)

Gemäß Abs. 2 Nr. 1 steht nunmehr fest, dass eine virtuelle Versammlung der Präsenzversammlung gleichgestellt ist und folglich in ihr wirksame Beschlüsse gefasst werden können. Die virtuelle Versammlung bedarf hiernach weder einer Satzungsgrundlage noch der Zustimmung sämtlicher Mitglieder.

 

3. „Gemischte“ Beschlussfassung

Zusätzlich wird es durch Abs. 2  Nr. 2 möglich, dass einzelne Mitglieder ihre Stimmen im Vorfeld einer (virtuellen oder physischen) Versammlung schriftlich (zB per Fax) abgeben.

 

4. Beschlussfassung ohne Versammlung im Umlaufverfahren (Modifikation von § 32 Abs. 2 BGB)

Schließlich erleichtert es Abs. 3 durch die Modifikation der Anforderungen des § 32 Abs. 2 BGB, Beschlüsse ohne jede Form der Versammlung im Umlaufverfahren zu fassen. Eine Beschlussfassung im Umlaufverfahren ist hiernach wirksam, wenn (i) alle Mitglieder beteiligt werden und (ii) bis zum Ende der gesetzten Entscheidungsfrist mindestens die Hälfte von ihnen in Textform (E-Mail, SMS, WhatsApp usw.) an der Abstimmung teilgenommen hat.

 

5. Keine entsprechende Geltung von § 5 Abs. 2 und 3 für Vorstandsbeschlüsse und die Stiftung

Aufgrund der Verweisungen in den §§ 28, 86 S. 1 BGB hat es auf den ersten Blick den Anschein, als würden die Erleichterungen des § 5 Abs. 2 und Abs. 3 auch für die Beschlüsse des mehrgliedrigen Vereinsvorstandes sowie die Beschlüsse entsprechender Organe bei der Stiftung gelten. Dem ist aber in Anbetracht der besonderen Regelungstechnik des Gesetzes wohl nicht so: Denn die Regelungen in § 5 Abs. 2 und Abs. 3 ändern nicht § 32 BGB, sondern schaffen lediglich eine in ihrem Anwendungsbereich auf Beschlüsse der Mitgliederversammlung beschränkte (und zeitlich begrenzte) Sonderregelung. § 32 BGB als solches bleibt unverändert und in der Folge ändert sich auch die Rechtslage für den mehrgliedrigen Vereinsvorstand sowie die entsprechenden Stiftungsorgane nicht (Anmerkung: Die ursprünglich an dieser Stelle vertretene Auffassung wurde korrigiert).

 

 

17. März 2020

Corona und Vereinsrecht (Teil 1)

Angesichts der Maßnahmen zur Verzögerung der Ausbreitung des Corona-Virus stellt sich die Frage, in welchem Umfang in Vereinen Beschlüsse der Mitgliederversammlung oder des Vorstandes ohne physische Zusammenkunft gefasst werden können. Die nachfolgenden Ausführungen sollen einen ersten Überblick über die insoweit zu beachtenden rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den einschlägigen Meinungsstand geben.

 

I. Beschlussfassung der Mitgliederversammlung

1. Beschlussfassung mit schriftlicher Allzustimmung ohne Versammlung

Gemäß § 32 Abs. 2 BGB ist eine Beschlussfassung der Mitglieder auch ohne Mitgliederversammlung zulässig, wenn alle Mitglieder ihre Zustimmung zu dem Beschluss schriftlich erklären. „Schriftlich“ meint dabei die Schriftform i.S.d. § 126 BGB sowie die elektronische Form nach § 126a BGB und umfasst somit nach überwiegender Auffassung u.a. die Erklärung per Fax, nicht aber die per E-Mail (vgl. Staudinger/Schwennicke § 32 Rn. 161). Handelt es sich um einen Beschluss, der beim Vereinsregister einzureichen ist (siehe auch unter IV.), ist darauf zu achten, dass ein Protokoll angefertigt wird, in dem das Umlaufverfahren und sein Ergebnis skizziert werden.

 

2. Beschlussfassung aufgrund virtueller Versammlung

a) Bei entsprechender Satzungsgrundlage

Nach wohl einhelliger Meinung ist die Beschlussfassung im Rahmen einer virtuellen Mitgliederversammlung möglich, wenn die Satzung dies ausdrücklich zulässt (OLG Hamm NJW 2012, 940 mwN; Dehesselles/Richter npoR 2016, 246; 248 ff.; Noack NJW 2018, 1345, 1349 f.; Palandt/Ellenberger § 32 Rn. 1; BeckOGK/Notz BGB § 32 Rn. 294). In diesen Fällen erfolgt die Beschlussfassung nicht gemäß § 32 Abs. 2 BGB, sodass auch die darin enthaltenen Voraussetzungen (Allzustimmung und Schriftform) nicht erfüllt werden müssen.

 

b) Ohne entsprechender Satzungsgrundlage bei Allzustimmung

Da die meisten Vereine aber über keine entsprechende Satzungsgrundlage verfügen, stellt sich die Frage, ob auch ohne sie eine virtuelle Versammlung zulässig ist. Die wohl herrschende Lehre bejaht dies für den Fall, dass sämtliche Mitglieder dem Verfahren zustimmen (BeckOGK/Notz BGB § 32 Rn. 294; BeckOK BGB/Schöpflin BGB § 32 Rn. 45; NK-BGB/Heidel/Lochner Rn. 26; Palandt/Ellenberger Rn. 1; ablehnend Stöber/Otto VereinsR-HdB Rn. 638). Gestützt wird diese Auffassung auf eine Analogie zu § 32 Abs. 2 BGB, dem sich der allgemeine Gedanke entnehmen lässt, dass mit Zustimmung aller Mitglieder von dem an sich erforderlichen Verfahren abgewichen werden kann (vgl. BeckOGK/Segna BGB § 28 Rn. 10). Dabei ist zu beachten, dass sich das Erfordernis der Allzustimmung richtigerweise nur auf die Abhaltung der virtuellen Versammlung als solche, nicht den einzelnen Beschlussgegenstand bezieht. Haben dem Verfahren alle Mitglieder zugestimmt, können in der Folge auch bloße Mehrheitsbeschlüsse wirksam gefasst werden (a.A. für Vorstandsbeschlüsse Wagner in Reichert/Schimke/Dauernheim Vereins- und VerbandsR-HdB Kap. 2 Rn. 2535 f.). Legt man diese Auffassung zugrunde, handelt es sich im Ergebnis um eine Beschlussfassung mit Versammlung und somit keinen unmittelbaren Anwendungsfall des § 32 Abs. 2 BGB. Hieraus folgt neben der Möglichkeit von Mehrheitsbeschlüssen (s.o.) auch, dass die Allzustimmung zum Verfahren nicht der Schriftform bedarf.

 

c) Ohne entsprechende Satzungsgrundlage und ohne Allzustimmung

Problematisch ist, ob eine virtuelle Versammlung auch ohne Satzungsgrundlage und ohne Ad-hoc-Allzustimmung der Mitglieder möglich ist. In der Literatur mehren sich die Stimmen, die dies für zulässig halten (Piper NZG 2012, 735, 737; Noack NJW 2018, 1345, 1349 f.; wohl auch BeckOGK/Notz BGB § 32 Rn. 294). Hierfür spricht, dass es keinen zwingenden Grund gibt, nur die traditionelle physische Zusammenkunft als „Versammlung“ im Sinne von § 32 Abs. 1 BGB zu qualifizieren. Ist gewährleistet, dass alle Mitglieder in gleicher Weise Zugang zu der virtuellen Versammlung haben, sprechen gute Gründe dafür, sie der physischen Zusammenkunft gleichzustellen und als Versammlung im Sinne von § 32 Abs. 1 zu qualifizieren. Die wohl noch herrschende Meinung sieht dies jedoch anders und  hält eine virtuelle Mitgliederversammlung unter den genannten Voraussetzungen für unzulässig (Fleck DNotZ 2008, 245; Dehesselles/Richter npoR 2016, 246, 248; NK-BGB/Lochner Rn. 28; MHdB GesR V/Waldner § 29 Rn. 24; Stöber/Otto VereinsR-HdB Rn. 638).

 

II. Beschlussfassung des Vorstandes

Die für Beschlussfassung der Mitgliederversammlung skizzierten Grundsätze gelten aufgrund des Verweises in § 28 BGB für Vorstandsbeschlüsse entsprechend. Insbesondere ist analog der zuvor unter I.2.b. dargelegten Grundsätze die virtuelle Beschlussfassung ohne Satzungsgrundlage und ohne Einhaltung der Schriftform zulässig, wenn alle Vorstandsmitglieder dem Verfahren zustimmen (BeckOGK/Segna BGB § 28 Rn. 10; Staudinger/Schwennicke, 2019, Rn. 12; Wagner in Reichert/Schimke/Dauernheim Vereins- und VerbandsR-HdB Kap. 2 Rn. 2535).

 

III.  Anforderungen an die virtuelle Versammlung

Zum Abhalten einer virtuellen Versammlung kommen alle modernen Kommunikationsmittel wie Chat-Rooms, Bildschirmübertragung aber auch das Telefon in Betracht.  Für die ordnungsgemäße Einberufung ist erforderlich, dass den Mitgliedern alle erforderlichen Zugangs- oder Einwahldaten samt Passwort rechtzeitig mitgeteilt werden. Ferner ist darauf zu achten, dass der Empfang zum Versammlungszeitraum uneingeschränkt und ohne Unterbrechungen in Ton und ggf. auch Bild gegeben ist.

 

IV. Fazit

Da die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Beschlussfassung ohne körperliche Zusammenkunft zum Teil unklar sind, bedarf es im Einzelfall einer Risikoanalyse. Stimmen alle Vereins- bzw. Vorstandsmitglieder dem Verfahren zu, dürften die verbleibenden Risiken hinnehmbar sein. Zwar ist es denkbar, dass ein Mitglied seine Meinung ändert und später gegen einen entsprechenden Beschluss vorgeht. In diesen Fällen gilt es indes immer noch zu beachten, dass die Klageerhebung nicht endlos möglich ist, sondern nach Verstreichen eines längeren Zeitraums Verwirkung eintritt (näher BeckOGK/Notz BGB § 32 Rn. 244; Wagner in Reichert/Schimke/Dauernheim Vereins- und VerbandsR-HdB Kap. 2 Rn. 3124 ff.). Problematisch sind die rechtlichen Unsicherheiten, wenn in Umsetzung des Beschlusses eine deklaratorische (z.B. Vorstandsbestellung) oder im Fall der Satzungsänderung konstitutive Eintragung im Vereinsregister erforderlich ist. In diesen Fällen dürfte es sich empfehlen, erforderlichenfalls vorab das Gespräch mit dem zuständigen Registergericht zu suchen.

 

 

1. März 2019

Attac-Urteil des BFH zur politischen Betätigung gemeinnütziger Körperschaften

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 10.1.2019 (V R 60/17) in Bezug auf den klagenden Attac Trägerverein e.V. klargestellt, dass die Verfolgung politischer Zwecke nicht gemeinnützig ist. Gemeinnützige Körperschaften hätten kein allgemeinpolitisches Mandat. Der betroffene Verein könne sich auch nicht auf den gemeinnützigen Zweck der Förderung der Volksbildung (§ 52 Abs. 2 Nr. 7 AO) berufen. Dieser umfasse zwar auch die „Förderung der politischen Wahrnehmungsfähigkeit und des politischen Verantwortungsbewusstseins“. Politische Bildungsarbeit setze aber „ein Handeln in geistiger Offenheit voraus.“ Der klagende Verein betätige sich hingegen auf eine Weise, die darauf zielt, die „politische Willensbildung und die öffentliche Meinung im Sinne eigener Auffassungen zu beeinflussen“.

 

Auf Grundlage der Entscheidung ist davon auszugehen, dass politische Aktivitäten nicht zu einer Art Selbstzweck erstarken dürfen. Sie sind nur insoweit gemeinnützigkeitsunschädlich, als sie als Mittel zur Durchsetzung des gemeinnützigen satzungsmäßigen Zwecks dienen. Im Jahr 2017 hat der BFH diese Voraussetzung in Bezug auf den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) als erfüllt angesehen. Konkret ging es um ein vom Verein organisiertes Volksbegehren, mit dem erreicht werden sollte, dass bestimmte Strom-, Fernwärme- und Gasleitungsnetze wieder vollständig von der öffentlichen Hand übernommen werden. Die Richter urteilten, bei einer Körperschaft, deren Satzungsziel die Förderung des Umweltschutzes ist, stelle „der Versuch der Einflussnahme auf die Willensbildung staatlicher Stellen“ keine unzulässige politische Betätigung dar.

 

Hintergrund der Notwendigkeit, Grenzen für die zulässige politische Betätigung gemeinnütziger Körperschaften zu ziehen, ist vor allem die (steuer-)rechtliche Behandlung von Spenden (hierzu das Interview mit Prof. Dr. Birgit Weitemeyer, s.u.): Während Parteispenden im Interesse der Chancengleichheit von Parteien streng reglementiert und in nur sehr beschränktem Umfang steuerlich absetzbar sind, gelten für die Spenden an gemeinnützige Körperschaften keine entsprechenden Restriktionen. Würde man gemeinnützigen Körperschaften in unbeschränktem Umfang die politische Betätigung (oder auch Unterstützung politischer Parteien) gestatten, liefen die Regelungen über Parteispenden leer.

 

Siehe zum Attac-Urteil des BFH auch das Interview mit Prof. Dr. Birgit Weitemeyer, Bucerius Law School, Hamburg, im ZDF-Morgenmagazin vom 27.02.2019, sowie das Interview mit RA Stefan Winheller, WINHELLER Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, vom 27.02.2019 mit JUVE Steuermarkt.

 

15. Oktober 2018

BGH zur Eintragungsfähigkeit eines Vermögensverwaltungsvereins

Mit Beschluss vom 11.9.2018 (II ZB 11/17) hat der BGH entschieden, dass ein Verein, der eigenes Vermögen verwaltet, um Überschüsse an seine Mitglieder auszuschütten, als Wirtschaftsverein zu qualifizieren und daher nicht gemäß § 21 BGB als e.V. eintragungsfähig ist. In der Literatur war die Frage bisher uneinheitlich beantwortet worden (siehe Nachweise bei MüKoBGB/Leuschner, 8. Aufl. 2018, §§ 21, 22 Rn. 59 ff.).

 

Die Analyse der Entscheidungsgründe macht deutlich, dass der BGH im Rahmen der Vereinsklassenabgrenzung nunmehr ausschließlich auf die subjektive Zwecksetzung abstellt: Ist der Zweck des Vereins auf die Gewinnausschüttung an die Mitglieder gerichtet, handelt es sich um einen Wirtschaftsverein. In allen anderen Fällen wird man von einer Nichtwirtschaftlichkeit und somit Eintragungsfähigkeit ausgehen können. Ob sich der Verein wirtschaftlich betätigt, d.h. Leistungen am Markt anbietet, spielte für die Richter – auch wenn ihre Ausführungen insoweit nicht eindeutig sind – offenbar keine Rolle. Die Entscheidung lässt zugleich erkennen, dass dem Aspekt der steuerlichen Gemeinnützigkeit - ungeachtet der in den Kita-Beschlüssen  (BGH NJW 2017, 1943) betonten Indizwirkung - materiell keine Bedeutung zukommt. Denn andernfalls hätte es nahe gelegen, die Wirtschaftlichkeit des streitgegenständlichen Vereins aus dessen fehlender Gemeinnützigkeit herzuleiten.

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